Reiseplanung
Auf einer Overland-Tour ist die Kreditkarte kein Zahlungsmittel, sondern ein Werkzeug: Sie hinterlegt die Kaution für das Fahrzeug, schaltet automatisierte Tanksäulen frei und ist im Zweifel die Reserve für eine Reparatur 600 Kilometer vom nächsten Händler.
Vermieter buchen die Kaution nicht ab, sie reservieren sie auf einem Kreditrahmen. Genau deshalb scheitert die Debitkarte, die die meisten Girokonten heute ausgeben: Sie trägt ein Visa- oder Mastercard-Logo, hat aber keinen Rahmen, auf dem sich etwas blockieren ließe. Für einen Geländewagen werden 1.500 bis 2.500 Euro reserviert, für ein Wohnmobil bis 5.000 Euro, jeweils für die gesamte Mietdauer.
Praktische Konsequenz: Der Rahmen muss die Kaution und die laufenden Kosten der Tour gleichzeitig tragen. Neukunden starten oft mit einem niedrigen vierstelligen Limit, und eine Anhebung braucht in der Regel einige Wochen Nutzungshistorie. Wer im Mai losfährt, klärt das im März, nicht in der Woche vor der Verschiffung.
In Skandinavien, Nordamerika, Australien und zunehmend auch in Südeuropa stehen nachts nur unbesetzte Tankstellen offen. Die Säule zieht vor dem Tankvorgang eine Vorautorisierung ein, in den USA typischerweise 100 bis 175 Dollar, und gibt die Zapfsäule erst danach frei. Debitkarten und Prepaid-Karten fallen dabei häufig durch, weil kein Rahmen reserviert werden kann. Der reservierte Betrag löst sich je nach Bank erst nach einigen Tagen wieder auf, auch das kostet Luft im Limit.
Zwischen den Ländern verschiebt sich das Bild. Grenzgebühren, Versicherungspflicht an der Grenze, Fährtickets kleinerer Betreiber und die Hilfe des Bauern mit dem Traktor werden bar bezahlt, oft in Dollar oder Euro statt in Landeswährung. Für die Tourplanung heißt das: Bargeld für zwei bis drei Tage plus eine Reserve, getrennt vom Portemonnaie verstaut, dazu eine Karte für alles, was maschinell abgerechnet wird.
Terminals und Automaten fragen im Ausland gerne, ob in Euro abgerechnet werden soll. Die Antwort ist immer nein. Bei dieser Dynamic Currency Conversion setzt der Betreiber den Kurs selbst und schlägt drei bis zwölf Prozent auf, ein Vielfaches jedes Fremdwährungsentgelts. In Landeswährung abrechnen lassen, dann kommt der Kurs von Visa oder Mastercard.
Gebraucht wird eine echte Kreditkarte ohne Jahresgebühr und ohne Fremdwährungsentgelt, mit einem Rahmen, der die Fahrzeugkaution trägt. In Deutschland erfüllt das eine überschaubare Zahl kostenloser Karten, unter anderem die GenialCard der Hanseatic Bank, die awa7 Visa, die Gebührenfrei Mastercard Gold der Advanzia Bank und die Mastercard Gold der TF Bank. Sie unterscheiden sich vor allem darin, ob ein Reiseversicherungspaket enthalten ist und wie hoch der Sollzins in der Teilzahlung liegt. Die Konditionen nebeneinander stehen im Vergleich der kostenlosen Reisekreditkarten auf bankscore.de.
Zwei Karten statt einer, eine Visa und eine Mastercard, getrennt verstaut: Das ist auf einer langen Tour keine Vorsicht, sondern Grundausstattung. Karten werden gesperrt, wenn drei Länder in vier Tagen im Umsatz auftauchen, sie werden von Automaten einbehalten oder von einem einzelnen Netzbetreiber nicht akzeptiert. Weil beide Karten nichts kosten, besteht der ganze Aufwand aus einem zweiten Antrag.
Fast alle kostenlosen Karten sind Revolving-Karten: Der offene Betrag wird in Raten getilgt und mit rund 20 bis 25 Prozent verzinst, wenn man nichts ändert. Nach Erhalt der Karte also in der App auf vollständigen Ausgleich umstellen oder einen Dauerauftrag einrichten. Danach ist die Karte tatsächlich kostenfrei, und der Rahmen steht auf der Tour vollständig zur Verfügung.
Häufige Fragen
Weil sie keinen Kreditrahmen hat. Mietwagen- und Wohnmobilvermieter, Fähren und viele Hotels reservieren einen Betrag, statt ihn abzubuchen. Ohne Rahmen wird die Karte abgelehnt oder der volle Betrag geht tatsächlich vom Konto ab und fehlt für den Rest der Tour. Dazu kommen automatisierte Tanksäulen, die eine Vorautorisierung verlangen, mit der Debitkarten regelmäßig scheitern.
Für einen Geländewagen sind 1.500 bis 2.500 Euro realistisch, bei Wohnmobilen und Campern bis 5.000 Euro. Der Betrag bleibt für die gesamte Mietdauer blockiert. Wer parallel noch Sprit, Fähren und Unterkünfte über dieselbe Karte zahlt, braucht entsprechend Luft und sollte den Rahmen mehrere Wochen vor Abreise anheben lassen.
Übliche Karten schlagen 1,5 bis 2,2 Prozent auf jeden Umsatz außerhalb der Eurozone auf. Auf einer dreiwöchigen Marokko-Tour mit 2.500 Euro Ausgaben sind das 38 bis 55 Euro allein für die Umrechnung. Karten ohne dieses Entgelt kosten keine Jahresgebühr, der Wechsel rechnet sich also ab der ersten Tour.
Genug für zwei bis drei Tage ohne funktionierenden Automaten, plus eine Reserve in Dollar oder Euro für Grenzgebühren, Fährtickets und Bergehilfe. In Nordafrika, Zentralasien und weiten Teilen Lateinamerikas sind Kartenzahlungen abseits der Städte die Ausnahme, und Grenzposten kassieren praktisch immer bar.
Nein. Bei dieser Dynamic Currency Conversion legt der Betreiber den Kurs selbst fest und schlägt typischerweise 3 bis 12 Prozent auf. Das kostet mehr als jedes Fremdwährungsentgelt und trifft auch Karten, die eigentlich null Prozent berechnen. Immer in Landeswährung abrechnen lassen.